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Montag, 10.12.2007

Ich ziehe zu ScienceBlogs

Liebe Leser,
ich ziehe mit sofortiger Wirkung um zu ScienceBlogs.

Ihr erreicht mich dann hier:

Dienstag, 04.12.2007

Haben Lotto-Kugeln ein Gedächtnis?

Lotto-Kugeln haben ein Gehirn und ein Gedächtnís. Das will uns anscheinend Spiegel-Online mit dieser Meldung weismachen. Mathematisch und logisch gesehen ist der Artikel ein Totalausfall, wenn der/die Autor(en) ausgehend von dieser Statistik her schlussfolgern, dass die 13 angeblich die geringste Aussicht auf Erfolg hat, weil sie 1,4 mal weniger häufig gezogen wurde als die 49.

Als ob die Kugeln sich bis zum nächsten Samstag untereinander absprechen würden: "Die 13 mag keiner. Lasst die bloß nicht raus!"

Ein klassischer Fall eines Spielerfehlschlusses. Blödsinn! Natürlich sind alle Zahlen gleich wahrscheinlich bei der nächsten Ziehung. Wenn dem nicht so wäre, müsste sich die Lotto-Gesellschaft wegen Betrugs verantworten.

Wer sich in die Materie der Wahrscheinlichkeit von Lotterien vertiefen möchte: Dem seien folgende Vorlesungsskripte empfohlen (Insbesondere Kapitel 2b).

P.S.: Übrigens ein klassischer Fehlschluss, der mir immer wieder begegnet, wenn es um recht zufällig auftretende natürliche Ereignisse wie Vulkanausbrüche, Erdbeben oder Meteoriteneinschläge geht: "Statistisch gesehen gibt es alle 10 000 Jahre ein größeres Erdbeben, das letzte ist 15 000 Jahre her, jetzt muss aber demnächst eins kommen."

Blödsinn!


Bisher hat noch nie jemand ein Erdbeben, Meteoriten oder Vulkan mit einer Armbanduhr gesehen. Außerdem können in jeder Statistik Ausreißer auftreten. Die berühmten Ausnahmen von der Regel.

Angebliche Mondfoto-Fälschung-Update

Ich bin zum Glück nicht die einzige, die mit den Mondfotos rumgespielt hat. Emily Lakdawalla vom Planetary Society Weblog ist sogar noch tiefer in die Materie eingestiegen!

Sie hat die Originaldaten herausgekramt und miteinander verglichen. Ganz klar: Das chinesische Bild hat eine deutlich höhere Auflösung als das ursprüngliche Clementine-Bild. Alleine das spricht gegen eine Kopie.

Seit wann ist die Kopie besser als das Original?

Außerdem sieht sie ebenso wie ich, dass einige Bereiche des chinesischen Bildes nicht ganz richtig gedreht wurden. Dadurch entstand übrigens die Illusion eines neu hinzugekommenen Kraters. Ich hatte mich schon gewundert, denn danach hatte ich vergeblich Ausschau gehalten.

Montag, 03.12.2007

Erste Ergebnisse von Venus-Express - diese Woche bei Nature

Die letzten Tage waren sehr spannend für europäische Planetenforscher und ein Grund zur Freude und Stolz. Seit letzter Woche Donnerstag ist die neue "Nature" draußen mit den gesammelten ersten Ergebnissen der Venus-Express-Sonde... Und Ihr habt es bezahlt. Ich meine das ganz ehrlich. Wovon leben wir und womit bezahlen wir unsere Instrumente? Letztendlich von Euren Steuergeldern.

Vielen Dank, dafür! Muss auch mal gesagt werden ;-)

Aber Ihr habt natürlich auch das Recht zu erfahren, ob sich das Ganze überhaupt lohnt. Daher werde ich demnächst in einer kurzen Reihe die Ergebnisse vorstellen, angefangen mit dem Radiowellen-Experiment VeRa.

In der Zwischenzeit verweise ich auf die wirklich sehenswerte Seite der ESA. (Die auch mit deutschen Steuermitteln finanziert wird.) 

Zudem empfehle ich zum Einstieg den hervorragenden Artikel auf Spektrum direkt, die übrigens abgesehen vom österreichischen Standard die einzige Nachrichtenseite ist, die nicht einfach nur die Agenturmeldung kopiert hat.

In einigen Fällen wurde die Pressemitteilung sogar verschlimmbessert. Da war die Rede davon, dass jetzt die ersten Ergebnissen runtergefunkt wurden. Das ist allerdings nicht richtig. Venus Express ist inzwischen seit dem 11. April 2006 an der Venus und funkt ständig Daten runter. Erste Zwischenergebnisse wurden auch bereits vom DLR vorgestellt.



Oben ist eine Ansicht der Venus aufgenommen von der Venus Monitoring Camera in UV-Licht (ESA, DLR-PF).

Bei dem Dunst, der die Venus ständig einhüllt, ist es nicht so einfach, etwas zu messen. Da muss man schon mehrfach hinsehen und sehr genau.

Aber wie gesagt: Demnächst mehr ;-)

Chinesen fälschen Mondfotos? Denkt doch erst mal ein bischen nach!

Diese Meldung über angebliche Mondbildfälschungen ist eigentlich eine Nichtmeldung. Ein Sturm im Wasserglas mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten.

Was ist passiert?

Chinesische Surfer hatten sich über die Ähnlichkeit zwischen dem ersten von der chinesischen Mondsonde Chang'e 1 veröffentlichten Mondfoto und einem zwei Jahre alten NASA-Bild gewundert.

Na und? Das ist die gleiche Region! Wenn zwei Satelliten im Abstand von zwei Jahren Italien überfliegen, hat sich die typische Stiefelform auch nicht geändert. Übrigens, was sagt denn das über die Allgemeinbildung der Surfer aus?

Der Mond hat keine Lufthülle, kein Wasser, keinen aktiven Vulkanismus, keine schweren Erdbeben, keine Plattentektonik. Daher gibt es dort keine Erosion. Ab und an schlägt mal ein Asteroid ein und bildet einen neuen Krater. Das ist aber auch das einzige, was sich an der Landschaft ändert. Selbst die Fußspuren der Apollo-Astronauten sollten in absehbarer Zeit im Mondstaub konserviert sein.(1)

Das ist der Mond, Leute! Da tut sich nicht sehr viel, weil es eine ziemlich tote Landschaft ist.

Außerdem, schaut Euch doch mal den "Vergleich" der beiden Bilder an (Großbild auf SpOn)!

Man braucht noch nicht mal einen Experten, um zu erkennen, dass die Bilder mitnichten völlig identisch sind. Seht Euch doch bitte mal diesen Bildausschnitt an - insbesondere den Schatten der Krater oben links:


Ich musste das rechte chinesische Bild um 5 Grad drehen, damit es ungefähr zum linken NASA-Bild passt.

Aber siehe da! Die Schatten, welche die Krater werfen, ist in beiden Bilder nicht identisch. Das ist ein Hinweis darauf, dass die beiden Bilder unter unterschiedlichen Beleuchtungsverhältnissen aufgenommen wurden.

Dann möchte ich weiterhin noch diesen Ausschnitt präsentieren, der tatsächlich etwas merkwürdig ist:

Hier musste ich das rechte Bild um 15 Grad drehen, damit die beiden Bilder halbwegs deckungsgleich sind.

Auch hier fallen die Schatten unterschiedlich aus und außerdem sind die rot umrandeten Bereiche im rechten chinesischen Bild wesentlich detailreicher als im linken Bild der NASA.

Von einer Kopie kann daher wirklich nicht die Rede sein.

Aber es ist schon seltsam, dass ich den unteren Bildausschnitt um 15 Grad drehen musste, um einen Vergleich anstellen zu können, und den oberen Ausschnitt nur um 5 Grad.

Aber auch dafür gibt es eine recht einfache Erklärung: Fehler in der Bildbearbeitung.

Die Chinesen haben das Bild aus 19 Einzelbildern zusammengesetzt. Während jeder dieser Aufnahmen bewegte sich die Raumsonde allerdings erheblich. Wenn man diese zusammennäht, muss daher darauf geachtet werden, dass die Eigenbewegung der Kamera berücksichtigt wird. Dabei vertut man sich schnell.

Ich hab diese Probleme im Detail in diesem Posting anhand von Einzelaufnahmen des Saturnmondes Rhea dokumentiert.

Aber eigentlich denke ich, dass diese Gerüchte über die Mondfotos ein typisches Stellvertretergefecht ist. Im Kern steckt dahinter Misstrauen gegenüber der chinesischen Regierung, die nun wirklich alles andere ist, nur kein Hort der Ehrlichkeit und der Demokratie.

Man muss außerdem ganz klar feststellen, dass die Mondsonde für die chinesische Führung ein ganz vorzügliches Propaganda-Mittel darstellt:
Nach außen hin wird das Ansehen des chinesischen Staates durch diese technische Leistung gefördert, was nach den letzten Skandalen um Plagiate und Gifte in Kinderspielzeugen natürlich absolut gelegen kommt.
Nach innen hin können die chinesischen Poltiker zu Recht Nationalstolz wecken und damit zumindest zeitweise von den nicht unerheblichen innenpolitischen Problemen ablenken.

Man kann und darf zudem hinterfragen, ob eine Nation, in der weite Teile der Bevökerung einen sehr niedrigen Lebensstandard haben und von vernünftiger ärztlicher Versorgung nur träumen können, in der die Umwelt systematisch zerstört wird, sich eine Mondrakete überhaupt leisten kann.

Andererseits hoffe ich, dass die chinesische Mondmission eine Bildungsmotivation für die Kinder und Jugendlichen des Staates sein wird - ähnlich wie Sputnik das damals für die westliche Welt war. Das würde nämlich in Zukunft auch mehr chinesische, motivierte Studenten bedeuten. 

Aber es sind gerade die Studenten, die in den letzten Jahrzehnten lautstark die herrschende Gesellschaftsordnung in Frage stellen. Wer trat noch mal im Juni 1989 für mehr Demokratie in China ein?
Chinesische Studenten! (Ja, ich weiß, vielleicht bin ich da blauäugig. Aber einen Rest Hoffnung möchte ich mir dennoch bewahren.)
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(1) Ich hatte mal mit einem befreundeten Astronomen eine interessante Diskussion. Wir waren uns einig, dass in einigen Jahrmillionen auf der Erde alle unsere großartigen Bauten zu Staub zerfallen sein werden und dass es reine Glückssache sein wird, auf Relikte einer technologischen Welt zu stoßen, die vielleicht gerade mal ein paar tausend oder gar nur hundert Jahre Bestand hatte. Erdgeschichtlich ist das ein Wimpernschlag. Das einzige, was künftigen Archäologen Auskunft darüber geben wird, dass auf der Erde eine technische Zivilisation existierte, sind die von den Astronauten zurückgelassenen Spuren auf dem Mond: Die Fahrzeuge, die Fußspuren, die Fahne, die Spiegel usw. Eine bessere Zeitkapsel gibt es fast nicht.

Da wäre vielleicht noch etwas Weltraummüll, der in großer Entfernung die Erde und die anderen Planeten umkreist.

Donnerstag, 29.11.2007

Warum Medien bei der Berichterstattung über technische Themen versagen

Aktuell wird gerade bei jetzt.de am Beispiel "Videospiele" in einem Fall nachvollziehbar dokumentiert, wie selbst öffentlich-rechtliche Sender bei der Berichterstattung von technischen Themen versagen.

Killerspiele im TV

Da wird schlampig recherchiert, sinnenstellend geschnitten und alles getan, um die vorgefertigte Meinung der Redakteure zu untermauern. Die Fakten werden der Meinung angepasst und nicht die Meinung an die Fakten - wie es sowohl beim Journalismus wie auch in der Wissenschaft als Ideal angesehen wird.

Das ist Propaganda - mehr nicht.

Leider beobachte ich den Trend immer wieder: Der breiten Öffentlichkeit, die sich in Technik und Wissenschaft nicht auskennt, werden technische Themen erklärt von Leuten, die ebenfalls keine Ahnung von Wissenschaft und Technik haben und zudem teilweise gar kein Interesse haben, sich halbwegs vernünftig zu informieren.

Statt Information erhält man Desinformation.

Dienstag, 27.11.2007

Ich ziehe gerade um

So, ich ziehe bis auf weiteres mit meinem Blog um.

Details gibt es demnächst hier. Der neue Blog ist noch im Aufbau. Es kann sich aber nur um Tage handeln. 

Donnerstag, 22.11.2007

Datenschutz und Technikunwissenheit

Heute ist wohl der Tag der Beiträge, die auf andere Beiträge verweisen.

Der Journalist Thorsten (Thomas, der Mann heißt Thomas mit Vornamen. Arrgh.) Thomas Knüwer von Indiskretion Ehrensache fasst die aktuelle Datenschutzaffäre in Großbritannien zusammen.

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Kindergelddaten von 25 Millionen Bürgern sind per CD versendet worden und einfach verschwunden. Natürlich waren die Daten auf den CDs unverschlüsselt.

Thorsten Knüwer macht für diese eklatante Panne u.a. Technikunwissenheit seitens der Behörden verantwortlich. Genau das beobachte ich bei deutschen Behörden schon seit einiger Zeit.

Wer allen Ernstes eine Online-Durchsuchung fordert und erwartet, dass die Informatiker des BKA mit dem Zauberstab Internetmodem winken und dadurch alle möglichen Firewalls knacken, jedes noch so exotische Betriebssystem infiltrieren und jede Menge Daten über die Leitung in Sekundenschnelle absaugen können, ohne dass der erhöhte Traffic dem Benutzer irgendwie auffällt, weil z.B. das Browsen so lange dauert...Der hat einfach keine Ahnung, von was er da redet und wie das Ganze im Detail funktionieren soll. (1) 

Ganz abgesehen davon, dass wirklich findige Kriminelle ihre Daten auf eine externe Festplatte auslagern und diese vom Rechner nehmen, sobald sie ins Internet gehen, bzw. ihren Rechner erst gar nicht ins Netz lassen, sondern dafür ins Internetcafé gehen.

Wer es noch nicht mal schafft, seine eigenen Rechner vor Online-Durchsuchungen zu schützen und wichtige Daten einfach mal so "verliert", weil nicht genügend Sicherheitskopien angefertigt wurden, sollte sich verdammt noch mal nicht derart weit aus dem Fenster lehnen.
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(1) Da fällt mir spontan eine Szene aus "Stirb Langsam 4.0" ein, bei der ich herzlich lachen musste:
Sämtliche Finanzdaten der USA werden in einem großen Gebäude in Panzerschränken voller Datenträger gespeichert. Aber die Bösewichter spazieren mit einer handtellergroßen Festplatte ins Gebäude und ihnen gelingt es "natürlich", innerhalb von ein paar Minuten unglaubliche Mengen an Daten auf diesen Zauberwürfel *pardon* diese Festplatte der überüberüberübernächsten Generation zu speichern.

Zum Glück war ich mit Freunden im Kino. Ich wäre sonst die einzige gewesen, die an dieser Stelle einen Lachanfall bekommen hätte.

Fossilienbennung alá Web 2.0

Auf diese coole Aktion muss ich wahrscheinlich nicht mehr hinweisen, oder?

Namensfindung für 471 Millionen Jahre alte Fossilien für den Paläontologen Björn Kröger von "tiefes Leben".

Mehr Unfälle durch mehr Sicherheit?

Ein interessanter Aspekt zu der Diskussion mit dem Tempolimit, den ich vielleicht zu wenig berücksichtigt habe:
Dass Menschen im Allgemeinen nicht vernünftig handeln.

Ich nehme mich davon weiß Gott nicht aus. Daher sollte bei jeder Regulierung einer Gefahrensituation berücksichtigt werden, dass der Mensch dummerweise unbewusst versucht, zu kompensieren.

Gefunden via Taxi-Blog in Spiegel-Wissen: Wer sich in Sicherheit wiegt, unterschätzt die Gefahr und geht höhere Risiken ein.

Demnach gab es nach der Einführung der Gurtpflicht auf den Vordersitzen 1985 in Großbritannien zwar insgesamt deutlich weniger Verkehrstoten. Aber die britischen Autofahrer reagierten auf die Gurtpflicht mit riskanterem Fahrverhalten, wodurch es mehr Unfälle gab und blöderweiser mehr Menschen auf den Rückbänken dran glauben mussten.

Die Gurtpflicht hat zwar etwas gebracht, aber leider wurde dieser Effekt teilweise wieder zunichte gemacht, weil die Leute unbewusst dachten: "Hey, ich hab einen Gurt. Mir passiert ja nichts, wenn es knallt."(Die armen Beifahrer auf dem Rücksitz.)

Übrigens erklärt dieser Artikel vielleicht, warum jedes Jahr einige Menschen abseits der Schneepisten Nervenkitzel suchen, trotz offensichtlicher Lawinengefahr, und immer wieder gerettet werden müssen - was manche Leute ziemlich auf die Palme bringt. (Nicht wahr, tyndra ;-))

Dieses Beispiel zeigt aber wieder, wie schwierig es ist, menschliches Verhalten regeln zu wollen und wie leicht man dabei etwas übersieht.

Aber das finde ich gerade das Tolle an der Wissenschaft. Wir alle legen uns ein Bild in unserem Kopf zurecht, wie die Welt um uns herum wohl funktioniert. Die Wissenschaft überprüft diese vorgefertigten Meinungen und Vorurteile und oft stellt sich heraus: Es ist ganz anders. Aber anstatt das als Enttäuschung oder gar Bedrohung anzusehen, wird ein echter Wissenschaftler sich über diese Erkenntnis freuen und versuchen, seine Vorstellungen entsprechend zu modifizieren.

Den umgekehrten Weg gibt es leider auch: Man versucht sein Bild von der Welt mit aller Gewalt auch in der Wirklichkeit durchzusetzen. Das was stört, wird entweder ignoriert oder für unnormal oder gar verdammenswürdig befunden. Diese Denkweise schreibe ich Ideologen, Demagogen und Fundamentalisten zu.